Momentaufnahme

5 02 2008

Manchmal ist es so als wäre die Zeit stehengeblieben.
Ein Moment der einem so unendlich lang erscheint dass man ihn gar nicht begreifen kann. Es ist ein beruhigendes Gefühl.
Leise surrend ziehen die Lüfter des PCs ihre Bahnen. Im Hintergrund singt eine unbekannte Sängerin mit feuerroten Lockenhaaren einen wundervollen ruhigen Folksong. Mir läuft ein wohliger Schauer über den Rücken und ein paar feine Häärchen flüchten orthogonal vor der Gänsehaut.
Irgendwie war die Vorahnung da, unbestreitbar als hätte man sie selber dazu verleitet. Manchmal ist es dann schwer zu verstehen, zu begreifen.
Ich weiß ja nichtmal was.
Der Kontoauszug murmelt mir unachtsam rote Zahlen ins Gedächtnis während daneben auf dem Schreibtisch die Orangenschalenreste des letzten „Wie ernähre ich mich gesund?“-Anfalls anfangen zu vertrocknen. Als hätten sie das nicht schon vorher gewußt.
Ist das eigentlich immer so, ja passieren solche Momente nicht ständig und überall? Vielleicht sind sie ganz klein und unbeholfen so dass wir sie gar nicht merken, manchmal auch (zu) groß und schwer. Dieser hier ist einfach nur da und wacht.
Es ist bereits kurz nach Mitternacht und wenn man sich konzentriert kann man immer noch leise die Musik des Nachbarn oben drüber wahrnehmen.
Darauf achten — das wäre eine Offenbarung. Da sprüht alles voller kleiner Funken, die wildesten Kreationen werden geschöpft. Ein unerschöpfliches Reich aus den Ursprüngen all unserer Gedanken und Taten.
So wird es anfangen denn es ist an der Zeit — meine Augen sind müde.
Ein bißchen unbeholfen, ein bißchen treibend denke ich darüber nach was wäre wenn wir einfach nur für einen Moment still halten und leise horchen. Kurz einen neuen Eindruck und ein wenig Erfahrung sammeln.
Nur für einen Moment.





Sternenstaub sein

11 11 2007

könnte einst Sternenstaub sein
ganz am Anfang
königlich

Expansion der Zeit unendlich
Choreographie
Zirkel voll Anmut

Leuchtfeuer
mit Magie im Kreise tanzt
zu Hause

projeziert Silhouette
Basisband des Seins
elementare Welt

teilt sich
in seinem schönsten Sinne
Wachstum

blüht in jeder Art
findet Liebe
wahrhaftig

unsterblich zuletzt
Supernova
könnte einst Sternenstaub sein

(KP)





Wechsel der Protagonisten

10 07 2007

nachts brachen schwere Schatten ein
mit den Geistern die ich rief
könn’ schon lange da gewesen sein
während ich umsponnen schlief:

glitzerte der Funke prächtig
spülte aus das Meer in mir
eig’ner Herrscher stolz und mächtig
der Gedanke gehört dir

ein schwarzer Greif blickt ab hernieder
kalter Blick saugt aus den Fetzen
Hoffnung der noch in mir bleibt
kenn ihn gut — kommt immer wieder
zermürbt den Leib
ergötzend schweigt

breitet aus die Flügel leise
schwingt herab mit dumpfem Hohn
renne weg, doch ich fall tiefer
kreischend nimmt er seinen Thron

nachts brachen schwere Schatten ein
mit den Geistern die ich rief
…sind erwacht vom Ruf der Greife

Seele wandert.
tief.

(KP)





Sie liefen durch Wälder und Nebel

20 06 2007

Ich lehnte gemütlich mit verschränkten Armen auf der Fensterbank meines Zimmers im 2.Stock und blickte hinaus in die kalte Winternacht. Merkwürdig – mal abgesehen davon dass das Haus überhaupt nicht so viele Stockwerke hat hatte ich noch nie im 2.Stock gewohnt. :roll: Alles war von einer weichem weißen Schneeschicht bedeckt. Selbst der Himmel schien so hell, dass er mit der restlichen Umgebung in eine einzige weiße Fläche überging. An den Bäumen zwischen den erdunkelten Häusern brannten kleine Lichter. Es erschien mir wie einer dieser verschlafenen Nächte in der Vorweihnachtszeit. Die Lichter brannten so schwach, dass sie nur wie kleine Punkte aussahen. Wie schummrige Totenlichter durch eine Milchglasscheibe, von Eiskristallen besetzt. Das ganze erschien mir wie ein einziges verträumt verschlafenes Wintermärchen.

Plötzlich tauchte eine Gestalt schleichend aus dem Unterholz auf und kam auf mich zu. Es war ein stattlicher großer Wolf mit herrschaftlichem Fell. (Beinahe hätte ich gesagt: „prächtig gefiedert“, aber das passt hier nicht so richtig :lol: ) Viel mehr war er eine Mischung aus den treuen Huskys mit ihren glasklaren Augen die man vor Schlitten spannt und den Wölfen die man von Vollmond-Alaska-Postern kennt, die sich Jugendliche so gerne ins Zimmer hängen. :D Er hatte so ein weißes Fell und schritt elegant voran, dass er mit der schneebedeckten Landschaft verschwand und nur seine schemenhaften Umrisse zu erkennen waren. Zwischen den Bäumen vermochte ich noch zwei weitere Wölfe auszumachen.

Der Leitwolf kam so nah auf mein Haus zu, dass ich ihn unter diesem Winkel von meinem hohen Fenster aus nicht mehr sehen konnte. Er sprach: „Out there!“ mit der klaren sonoren leicht brummigen Stimme eines Sprechers aus Naturdokumentationen. Ich war verdutzt. 8O „Wer? Ich?“ „Ja, du!“ tönte es von unten herauf. Vorsichtig versuchte ich mich weiter aus dem Fenster zu lehnen um etwas zu erkennen, aber es gelang mir nicht. Plötzlich erschien das Gesicht des Wolfes direkt vor dem meinigen, er hatte sich mit seinen Vorderläufen an der Fensterbank festgeklammert. Ich war so erstaunt darüber, dass es dem Wolf gelungen war bis in den 2.Stock hochzuspringen, dass ich verwundert fragte: „Bist du das wirklich?“ „Nein, ich bin nur eine Halluzination, deine eigene Einbildung damit du mich sehen kannst.“ Damit verschwand er wieder. Irgendwie wurde mir die ganze Sache nun doch ein wenig konfus. :roll: Ich erkannte wie er sich wieder vom Haus entfernte, auf einer freien Fläche im Schnee stehen blieb und zu mir sprach: „Sie liefen durch Wälder und Nebel.“ Aus dem Dickicht kam ein leises Geräusch und sofort eilten die drei Wölfe zwischen den verschneiten Bäumen davon und verschwanden in der Winternacht.

Dann wachte ich auf. Was soll denn das bedeuten, kann man das verstehen :?: Ja – vielleicht für insider, denn mir fiel ein dass ich bei der Gelegenheit ein Buch von Axel Hacke empfehlen kann. :wink: