Während der letzten Tage brutzelten endlich die ersten starken Sonnenstrahlen des Frühlings auf das beschauliche Ilmenau hernieder. So versuchte ich aus der super guten Laune heraus alle Komillitonen anzuschreiben um nach der Uni noch irgendwas cooles gemeinsam zu unternehmen. Doch oh Schreck, was ist das? Mein Mobiltelefon ist weg! Gerade jetzt wo ich es einmal bräuchte… ![]()
Dabei war es vor der letzten Übung doch noch anwesend, aber meinte wohl es müsste sich spontan mal verkrümeln. Sommerpause oder so. Ich degradierte die super gute Laune daraufhin umgehend nur noch zu einer Laune. Immerhin war ich mir relativ sicher es in dem Raum der gerade besuchten Übung verloren zu haben, was es glücklicherweise einfach machte direkt an Ort und Stelle einen Zettel mit meinen Kontaktdaten zu hinterlassen — in der Hoffnung es möge jemand finden.
Frustriert begab ich mich auf den Heimweg als mir in meiner akuten Notlage des „Niemanden-Erreichen-Könnens“ einfiel, ich könnte ja schnell noch bei Komillitonen aufm Campus vorbeischauen um mich schnell selber zurückzurufen, denn falls schon jemand des Mobiltelefon gefunden hätte könnte ich es ja sofort wieder abholen
Nach 4 vergeblichen Versuchen, 1x Club und 1x FEM-Office gab ich es auf, niemand war da. Logisch, die lagen wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt bereits alle in der Sonne und wunderten sich wo ich denn so lange bleibe.
Endlich klappte es und ich konnte ein Telefon ergattern um mich selbst anzurufen. Doch es ging niemand ran; logisch, denn ich war ja auch gar nicht da.
Später fiel mir dann ein, dass sowieso niemand dran gegangen wäre, denn das Telefon war zwar an, doch sowohl Ton als auch Vibrationsalarm ausgeschaltet, es hätte also niemand bemerkt. Als es mich später am Abend doch noch bis nach Hause drängte musste ich zu meinem großen Ärger feststellen dass sich das Wetter proportional zu meiner Stimmung verhielt: es regnete mittlerweile wie aus Kübeln. Um nicht im Pullover zu laufen lieh ich mir erneut die Jacke eines Komillitonen (DANKE!), zu blöd wenn man keine eigene mehr hat…
Nachdem ich endlich ziemlich angepisst mit miesester Laune zu Hause angekommen war wartete beim e-mails checken eine freudige Überraschung auf mich: als Absender erkannte ich einen interessanten vielversprechenden weiblichen Namen und als Betreff war nur „Hi!“ angegeben. Toll dachte ich, es gibt in Ilmenau tatsächlich noch Zeichen und Wunder. Entweder hat sie mein Mobiltelefon gefunden oder sie will ein Date mit mir. Juhu!
Der Inhalt der mail war in etwa folgender: schick mir bitte jetzt deine Spaßkassen-Pin-Nummer und du kannst ein afrikanisches Land deiner Wahl zum halben Preis kaufen um deine Potenz zu steigern.
Am nächster Tag ist ja bekanntlich manches besser, aber eben nicht alles. Erstaunt stellte ich fest dass ich vor lauter Ärger viel zu früh aufgewacht war und aus lauter Ärger darüber natürlich nicht mehr einschlafen konnte. Also kann man ja auch mal pünktlich zur Uni gehen. Uhrzeit: 6:50. Wird knapp noch rechtzeitig zu erscheinen, also einen kleinen guten-Morgen-ich-fühl-mich-immer-noch-so-beschissen-wie-gestern-Abend-Sprint eingelegt. Völlig außer Puste öffnete ich die Türe zum Übungsraum nur um festzustellen, dass dieser völlig verwaist ist. Zum Glück war ich außer Atem, denn so fehlte mir die Energie um mich aufzuregen. Ein paar Minuten (zu) später erschien dann auch zufälligerweise die Übungsleiterin, kurz darauf immerhin noch ein weiterer Komillitone. ![]()
Als ich wenig später erfuhr dass die letzten Klausurergebnisse raus sind musste ich mir am Thoska-Automaten das bestätigen lassen was ich bereits seit langer Zeit vermutete: durchgefallen.
Mittlerweile war ich bereits mehrmals am Raum in dem sich am gestrigen Tage mein Mobiltelefon selbstständig gemacht hatte vorbeigeschritten, doch jedesmal war die Tür abgeschlossen und mein Zettel hing immer noch dran. Nun ein Lichtblick: gegenüber stand eine Tür weit geöffnet. Hinter unzähligen Tischen von Messgeräten entdeckte ich auch tatsächlich eine Person die mir aber leider auch nicht weiterhelfen konnte, obwohl ich ihr meine tragische Leidensgeschichte in Kurzform vor den Latz knallte. Immerhin konnte ich auch hier einen Zettel hinterlegen; der Witz daran ist, dass ironischerweise an der Tür der Schriftzug „Mobilfunkmesslabor“ steht. ![]()
Bei der 11 Uhr Vorlesung erfolgte dann der Tiefpunkt des Tages, da ich nach 5 Minuten nur noch Bahnhof verstand, nach 10 Minuten bereits Hauptbahnhof, nach 20 Minuten war ich bei der U-Bahn angelangt und es ging immer tiefer. Selbst das Wetter wollte mir nicht mehr gesinnt sein und ich verfluchte in dem Moment Petrus als er es tatsächlich wagte einen Sonnenschein durch die trübe Wolkendecke zu schicken. Ohne ein Wort zu sprechen und angesäuert bis aufs letzte schaufelte ich mein Standard-Einheits-Mensa-Mittagessen in mich hinein. Geholfen hat es auch nichts, denn:
da hatte ich mir doch extra früh morgens noch den Raum für die Mathe 2 Übung herausgeschrieben, doch nach ein paar Minuten kamen mir erste Zweifel und ich fragte eine der anwesenden Studentinnen: „Kleine Frage, ist das hier eine Mathe- oder eine Physikübung?“ „Physik!“ „Scheisse!“ Da war sie: die endgültige Resignation der Frust- und Pannenserie.
Mit letzter Kraft brachte ich noch ein müdes Lächeln über die Lippen um mich umgehend zu verkrümeln. Selbst der öffentlich zugängliche PC über den die Informationen der aktuellen Raumbelegung zugänglich sein sollten rechnete nicht mehr mit meiner Anwesenheit und beschloss spontan sich just in dem Moment neu zu booten als…
Ich schleppte mich kopfhängend ins MT-Sekretariat um Auskunft zu erhalten ob denn ein Mobiltelefon gefunden worden sei. Sei es nicht hieß es, aber hier wäre jemand mit einem passenden Schlüssel. Keine zwei Minuten später hielt ich dieses bösartige Stück halbwegs hochentwickelter verhängnisvoller Elektronik wieder in den Händen. ![]()
Die Moral der ganzen Sache: mit breitem Grinsen und einem sich spontan entwickelnden Anfall von guter Laune schritt ich zurück zu meinen Komillitonen in die Mensa, die gerade dabei waren sich über Einlassspiele zum Tag des roten Autos den Kopf zu zerbrechen. Erstaunt über meine Ankunft schilderte ich ihnen meinen Kreuzzug ausführlich. Gerade als ich damit abschloss tauchte (nach mehrmaligem Anrufen (!!!)) noch ein weiterer Komillitone auf. „Wo warst du denn so lange, wir haben dich vermisst!?“ „Ich musste mein Mobiltelefon noch suchen.“



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